Antenne Austria - Gedanken von Peter Bichler
Sonntag, 29. Juli 1990. 1. Solo-Nachrichtenfrühdienst.
Ich war schon am Abend zuvor etwas aufgeregt, da ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal einen ganzen Monat als Neueinsteiger Teil des Nachrichtenteams bei Antenne Austria gewesen war. Dann kam der Moment der Wahrheit: Sonntag-Morgen: ich machte mich vom Triestingtal aus kurz vor 4:00 Uhr Früh auf den Weg in den 15. Wiener Gemeindebezirk. Kaum im Sendestudio in der Matthias-Schönerer-Gasse angekommen, erhöhte sich mein Puls. Die Agenturen meldeten, dass Österreichs ehemaliger Bundeskanzler Bruno Kreisky verstorben war. Damit stand fest: an diesem Tag wurde Geschichte geschrieben und ich hatte Nachrichtendienst. Mit allem Einsatz klemmte ich mich dahinter, die entsprechende Nachrichtenmeldung vorzubereiten und auf Sendung zu bringen. Zusätzlich wusste ich, dass Verstärkung im Sender notwendig war. Laut Telefonliste war Raoul Kirschbichler jener - mit deutlich mehr Erfahrung ausgestattete - Nachrichtenredakteur, den ich am schnellsten erreichen konnte. Raoul war unser "Außenpolitiker". Er kam bald im Studio an und dann gelang ihm aufgrund seiner hervorragenden persönlichen Kontakte Unglaubliches. Antenne Austria konnte in den 6:00-Uhr-Morgen-Nachrichten live bereits einen Nachruf-O-Ton zu Kreiskys Tod von Österreichs aktuellem Außenminister und Vizekanzler Alois Mock auf Sendung bringen. Wir hatten mit diesem 1. O-Ton aus den Reihen der Bundesregierung sogar die ORF-Nachrichten "überholt".