Antenne Austria - Gedanken von Jörg Schauberger



Nach gut einem Jahrzehnt als ständiger Freier Mitarbeiter beim ORF-Radio Steiermark mit Moderationsausflügen zu Ö3 entschloss ich mich zu einem mehrmonatigen Aufenthalt in den USA, um die US-amerikanische Medienlandschaft zu studieren.

Anfang September 1989 kehrte ich zurück und wurde umgehend für die neue Antenne Austria als Moderator engagiert. Arbeitsplatz für die Moderatoren war im Herbst 1989 viele Wochen lang Budapest. Am Vormittag und am Nachmittag moderierten wir aus den Räumlichkeiten des staatlichen Rundfunks Magyar Rádió in der Bródy Sándor ut. 5-7 in Budapest. Wir übernahmen fliegend für jeweils zwei Stunden das Studio von den Kollegen des Radio Danubius, technisch betreut von den angestellten ungarischen Tontechnikern.

Das Musikprogramm der Antenne wurde in Wien zusammengestellt. Das bedeutete, dass jede Woche ein Kleintransporter mit großen Schachteln zwischen Wien und Budapest unterwegs war. In diesen Kisten zusammengeschnürte Stapel Schallplatten (meist LPs). Jeder Stapel umfasste das Musikprogramm für eine doppelstündige Sendung. Dazu wurden die entsprechenden Titellisten mitgeliefert.

Nachrichtentexte wurden in der Wiener Redaktion (in der Schottenfeldgasse 51 in Wien 7.) verfasst und nach Budapest übermittelt (ob mit Fernschreiber oder bereits per Fax ist mir nicht mehr in Erinnerung). Neben dem oder der Moderator:in war auch ein Nachrichtensprecher mit von der Partie in Budapest.

Später wurde im so genannten DJ-Betrieb (ohne zusätzlichen Tontechniker) aus der Redaktion in der Wiener Schottenfeldgasse gesendet (das Signal wurde über Standleitung nach Budapest geschickt und von dort ins Sendernetz eingespeist). Für mich als Moderator eine eigentümliche Situation, zu wissen, dass das eigene gesprochene Wort im Kontroll-Kopfhörer zwischenzeitlich in Budapest war.

Nach finanziellen Engpässen bei Antenne Austria wurden die Moderatorenhonorare gekürzt. Das veranlasste einige Mitarbeitende, den Sender zu verlassen - darunter Ingrid Wolff und ich. Anschließend war ich einige Zeit arbeitslos: das "Imperium" hatte zurückgeschlagen und so hatte ich keine Chance, wieder beim ORF anzuheuern. Dem Arbeitsamt waren die Hände gebunden, da es ja außer dem ORF keinen (legalen) Arbeitgeber für Moderatoren gab, Stichwort Rundfunkmonopol.

Nach einer Abkühlphase bekam ich die Möglichkeit, bei Studio Niederösterreich in der Unterhaltungsabteilung unter Willy Kralik wieder voll ins ORF-Geschehen einzusteigen (Frühsendungen, Wunschkonzerte ["Sie wünschen - wir spielen"], Radio 4/4 etc.). Im Herbst 1999 quittierte ich meinen Job beim ORF, um mich wieder meinen Forschungen als studierter Naturwissenschafter zu widmen.




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