Antenne Austria - Gedanken von Lars Michael Storm



Ein Radioleben. Das ist es, auf was ich zurückblicke. Ein Leben voller Radio und es begann 1991 bei einem kleinen österreichischen "Piratensender", der das Rundfunkmonopol des ORF aushebelte, indem er sein Signal über eine Post-Standleitung nach Ungarn schickte und von dort österreichisches Privatradio zurück sendete. Antenne Austria. (Nachts hieß das Programm übrigens "Radio Danubius", was daran lag, dass Antenne Austria die Frequenz vom ungarischen Rundfunk gepachtet hatte).

Ich war damals Student am Wiener Konservatorium, Schüler von Elfriede Ott und heiß auf die ganz große Bühne. Am schwarzen Brett hing ein Zettel auf dem stand: "Antenne Austria sucht Werbesprecher". Das war meine Chance! Ich stellte mich dort vor und bekam kurze Zeit später einen Spot für Rasenmäher. Weil ich das ein bisschen langweilig fand, fragte ich den Produktionsleiter Andreas M. (total nett und ein echter Überzeugungstäter), was man den tun müsse, wenn man hier moderieren wolle. Er lud mich zu einem Casting am nächsten Tag ein. Wenig später hatte ich meine erste Nachtsendung bei Antenne Austria. Na also, ging doch mit der ganz großen Bühne. Ich war 24 und on Air!

Nachts war man dort ganz alleine. Kein Techniker, kein Redakteur, kein Aufpasser. Nur ich, das Mischpult, zwei Plattenspieler, zwei CD-Player, 2 Bandmaschinen, 3 Cartridge-Player für die Jingles. Jingles? Das sind die Minisongs, die zwischen den Hits gespielt werden. Der Chor sang: "Antenne Austria, aktuell aus fern und nah. Mehr Melodie für Österreich. Ganz klar! Antenne Austriaaaaa". Und dann endlich ich. Ganz links, der Regler mit dem roten Reiter schaltete das Mikro ein. Ich schob ihn hoch und quatschte drauflos. Was ich da verzapfte? Fragen Sie mich was leichteres - ziemlich viel Unsinn natürlich. Was einem so halt nachts durch den Kopf geht. Ich imitierte einen Radiostar meines Heimatsenders SWF3, bezeichnete Barbra Streisand als mein "Lieblings-Nasenbärle" und zeigte mich verwundert, dass Adamo beim Singen immer heiser war. Heute würde ich mich für sowas vor Scham unter die Auslegeware verkriechen. Damals fand ich das lustig. Der Kollege Andreas S. (Ex-Ö3-Mann und eine echt coole Socke) auch, deshalb nahm er mich ein bisschen unter seine Fittiche und verteidigte mich vor dem Chef. Er erreichte sogar, dass ich Samstagabend die "Party Line" moderieren durfte. Da konnten die Hörerinnen und Hörer in Partystimmung anrufen und andere Hörerinnen und Hörer in Partystimmung grüßen. Ein phantastisches Format - manche Sender machen sowas heute noch. Es war, als hätte man Öl ins Feuer gegossen - ich ging ab, wie Schmitts Katze. Ich hatte Spaß mit den burgenländischen Hörern, die Hörer hatten Spaß mit dem durchgeknallten Piefke. Ich redete mich um Kopf und Kragen. Nach ein paar Monaten war Schluss. Der Chef fand, dass ich für Antenne Austria nicht seriös genug sei und feuerte mich wegen meiner frechen Klappe. Aber ich hatte Glück: Radio CD International (auch so ein Piratensender, der aus Bratislava feuerte), nahm mich gerade wegen meiner frechen Klappe. Dort verzapfte ich dann weiter jede Menge Unsinn, bis Richard "Mörtl" Lugner den Laden übernahm. Ich bewarb mich weg und heuerte bei einem Privatradio in Mannheim an. Seit 1998 bin ich öffentlich-rechtlich und arbeite für den SWR. Auch dort habe ich übrigens noch jede Menge Unsinn verzapft.

Radio CD und Antenne Austria gibt es nicht mehr. Ja, es gibt noch nicht mal mehr richtige Antennen. Austria hat heute eine völlig legale und absolut langweilige Privatradio-Szene mit dem besten der 70er, 80er, 90er…, sagen Sie, wenn ich aufhören soll. Und bei allem Unsinn, den ich über UKW verbreitet habe, bin ich doch ein bisschen stolz, als Piefke zu den österreichischen Privatradio-Pionieren, den "Piraten" gehört zu haben!

Lars Michael Storm


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